01.12.2013 | HTC-Damen gehen die Gäule durch
Das musste nicht sein. Nach vier Siegen in Folge riss der Erfolgsfaden des Herner TC in der Basketball-Bundesliga. Beim 88:92 gegen die Rhein-Main Baskets nahmen sich die HTC-Damen im dritten Viertel eine zehnminütige Auszeit und verspielten leichtfertig ihren Pausenvorsprung.

Herner TC - Rhein-Main Baskets 88:92 Viertel: 21:22, 30:19, 14:33, 23:18.

HTC: Flasarova (19/3 Dreier), Tuomi (14), Davis (13), Karic (10), Gawronska (7/1), Salomaa (7/1), Müller (7/1), Koop (6), Terzic (5), Van der Velde, Bräuer, Sola.
Rebounds: 32 (18 defensiv, 14 offensiv). Wurfquote Feld: 48 % (36 von 75). Freiwurfquote: 75 % (9/12).

RMB: Rexroth (24/4), Karel (19), Beliveau (17), S. Greunke (11), Pieczynski (9), P. Doetrich (6/1), N. Dietrich (4), M. Greunke (2).
Rebounds: 25 (20 defensiv, 5 offensiv). Wurfquote Feld: 60 % (31/51). Freiwurfquote: 71 % (25/35).

Verrückter Basketball. Die HTC-Damen hatten deutlich mehr Würfe aus dem Feld, mehr Rebounds, mehr Assists und Steals, dazu weniger Ballverluste, lagen mithin in fast allen statistischen Kategorien vorne – in der einzig wirklich relevanten jedoch nicht. Den Sieg am zehnten Bundesliga-Spieltag nahmen die nur zu Acht angereisten Rhein-Main Baskets mit nach Hause. Zurück ließen sie konsternierte Gastgeberinnen, fassungslos darüber, wie sie sich nach den Höhenflügen der letzten Wochen eine so derbe Bruchlandung hatten einbrocken können.
Wie ein einsamer Wolf streunte Marek Piotrowski nach der Sirene durch die Halle, wollte vermeiden, seinen Zorn ungefiltert rauszulassen. Doch auch als er sich halbwegs abgeregt hatte, stand dem Herner Headcoach der Ärger noch ins blasse Gesicht geschrieben. „Diese Niederlage war komplett unnötig“, schimpfte er. „Meine Damen haben für zehn Minuten den Spielbetrieb eingestellt. Keine Ahnung, was sie sich dabei gedacht haben.“
Welche zehn Minuten der „Magier“ meinte, dürfte jedem Augenzeugen klar sein: Das dritte Viertel ging mit 14:33 verloren. „Wie kann man ein Viertel mit 19 Punkten verlieren?“, fragte sich auch HTC-Chef Wolfgang Siebert entgeistert. „Wer das schafft, kann im Basketball kein Spiel gewinnen.“
Und alle rätselten, was plötzlich in die HTC-Damen gefahren war. Waren ihnen die vier Siege der letzten Wochen in den Kopf gestiegen? Waren ihnen die Gäule durchgegangen, weil sie einen starken Gast in der Schlussphase einer fulminanten ersten Hälfte mit einem furiosen Angriffswirbel noch um zehn Punkte distanziert hatten? Waren sich die Hernerinnen ihrer Sache nach der 51:41-Pausenführung zu sicher? Fast schien es so. Jedenfalls hörten die Hernerinnen auf, als Mannschaft zu spielen, suchten zu schnell den Abschluss und ließen es nach ihren Fahrkarten in der Defense an Aggressivität mangeln. Die Baskets, ein gut harmonierendes Team mit wendigen Spielerinnen und einer als Schützin überragenden Anna-Lisa Rexroth, stellten prompt die Quittung aus. Drei, vier Pässe, eine Finte, ein schneller erster Schritt, und schon war der Weg frei zum Herner Korb.
Katarina Flasarovas Dreier zum 62:52 (25.) sorgte letztmals für eine zweistellige Herner Führung. Mit einer 9:0-Serie kamen die Gäste auf Tuchfühlung, ließen sich auch von Magda Gawronskas umjubeltem Dreier zum 65:61 (28.) nicht stoppen und schlossen das für den HTC desaströse Viertel mit einem 13:0-Run zum 65:74 ab.
Davon erholte sich Herne nicht mehr. Zwar gaben die Gastgeberinnen ihren Harakiri-Stil nun auf, kämpften verbissen und blieben bis zum 85:91 (39.) dran, doch die Baskets konterten und hatten am Ende auch das Glück der Tüchtigen.

01.12.2013 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer
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