19.01.2014 | HTC muss dem Meister erneut gratulieren
Herner TC - TSV 1880 Wasserburg 70:83

Viertel: 27:22, 9:21, 21:23, 13:17.

HTC: Davis (15/1 Dreier), Wright (13 ), Flasarova (11/3), Koop (9, 9 Reb.), Salomaa (7), Tuomi (6), Gawronska (3/1), Bräuer (2), Terzic (2), Karic (2), Müller, Van der Velde.
Freiwurfquote: 88% (15/17). Rebounds: 35 (21 defensiv, 14 offensiv).

TSV: Cannon (22, 11 Reb.), Barnert (13/2), Wagner (13), Brunckhorst (11), Jeltema (8/2), Thoresen (6), Sten (6), Dover (2), Perostiyska (2), Wernthaler.
Freiwurfquote: 78% (31/40). Rebounds: 33 (22 defensiv, 11 offensiv).

Nein, unmöglich ist es nicht. Aber wenn Hernes Basketballerinnen diesen TSV Wasserburg schlagen wollen, müssen sie 40 Minuten lang ihr höchstes Niveau abrufen und dürfen sich keinerlei Schwächen erlauben. Weil sich nach einem grandiosen ersten Viertel aber immer wieder kleine Nachlässigkeiten einschlichen, mal ein leichter Korbleger ausgelassen wurde, mal im Eifer des Gefechts in der Defense der Überblick verloren ging, war dem bärenstarken, vor Selbstvertrauen strotzenden Deutschen Meister auch im dritten Vergleich dieser Saison nicht beizukommen.
Und das schmeckte Marek Piotrowski gar nicht, hatte er doch durchaus auf „Bonuspunkte“ gegen den übermächtigen Gegner spekuliert. „Wir haben uns schon etwas ausgerechnet“, gestand der HTC-Coach ein. Er ärgerte sich über einige der vielen Pfiffe, die den Gästen satte 40 Freiwürfe einbrachten, aber auch über das eigene Team. „Bis zum 31:24 war das sehr, sehr stark. Aber dann haben wir wieder vergessen, als Team aufzutreten“, kritisierte er. „Alle meinten, sie könnten das Spiel allein entscheiden, aber das geht nicht.“ Trotzdem schaute Piotrowski noch Minuten nach der Schlusssirene etwas ungläubig auf die Anzeigetafel. „70 zu 83. Dieses Ergebnis entspricht nicht dem Verlauf des Spiels.“
Teilweise musste Piotrowski meinen, er habe ein Déjà-vu – so sehr ähnelte die Dramaturgie der Partie jener aus dem Pokalspiel vor zwei Wochen. Wieder legte der HTC im ersten Viertel ein höllisches Tempo vor, traf hochprozentig und nahm eine kleine Führung mit in die erste kurze Pause, wieder verlor er im zweiten Abschnitt den Faden und letztlich auch das Spiel. Nachdem Teya Wright und Quenice Davis mit vier Punkten binnen weniger Sekunden für die höchste Herner Führung gesorgt hatten (31:24/12.), lief in der bis dahin so starken Offense nichts mehr zusammen. Ein Dreier von Magda Gawronska zum 34:31 (15.) und der einzige Korb von Minja Terzic zum 36:37 (18.) – mehr rutschte bis zur Pause nicht mehr durch den Wasserburger Ring. Auf der Gegenseite lief in dieser Phase Stephanie Wagner heiß, penetrierte immer wieder zum Korb, punktete direkt oder zog das Foul. Und so lagen die Gäste schon zur Pause wieder auf Erfolgskurs.
Einmal in Führung, ließ sich der clevere, abgebrühte Meister durch nichts mehr aus er Bahn werfen. Auch nicht durch Katarina Flasarova, die das dritte Viertel mit zwei Punkten eröffnete und später drei saubere Dreier folgen ließ. So blieb der HTC auf Tuchfühlung, kam aber nie näher als auf vier Punkte heran (48:52/24.), weil es nach jedem Herner Treffer auch auf der anderen Seite postwendend klingelte. Als Stina Barnert kurz nacheinander zweimal völlig frei aus der Distanz einnetzen durfte, war Piotrowski bedient. Fuchsteufelswild nahm er eine Auszeit und stauchte seine Damen lautstark zusammen.
Doch auch das half nicht. Der Meister marschierte, spielte ungeheuer druckvoll und baute den Vorsprung kontinuierlich aus. Der HTC steckte nie auf, stemmte sich mit allen Kräften dagegen und trug seinen Teil zu einem faszinierenden, hochklassigen Spektakel bei. Die Frage nach dem Sieger aber war Ende des dritten Viertels geklärt, als sich der Herner Rückstand im zweistelligen Bereich einpendelte. Schade.
Dennoch brachte der Abend aus Herner Sicht auch erfreuliche Erkenntnisse. Zum Beispiel die, dass Teya Wright ihre schwere Verletzung offenbar physisch wie mental verkraftet hat. Ein Stück fehlt zwar noch zur Bestform, aber bei ihrem Heimdebüt in dieser Saison war „T“ bereits wieder die effektivste Herner Spielerin. Das lässt hoffen.

19.01.2013 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer
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