26.01.2014 | Starkes HTC-Team zähmt Löwinnen
SV Halle Lions - Herner TC 65:78 (22:19, 16:16, 12:26, 15:17)
Früh morgens um Vier trafen Hernes Basketball-Ladys nach einem Horror-Trip über vereiste Straßen wieder in Sodingen ein, und aus dem Bus kletterten erschöpfte, aber glückliche junge Damen. Sie hatten in einem wichtigen Spiel die Nerven bewahrt, hatten im fernen Halle an der Saale eine Riesenleistung abgeliefert und zwei wichtige Punkte aus dem Löwenkäfig entführt.
Mehr noch: Auch den direkten Vergleich hat der HTC trotz der 65:75-Hinspielschlappe für sich entschieden – ein Detail, das durchaus noch wichtig werden kann. Und so konnte der Herner Tross um Mitternacht auf der Bahn in bester Stimmung auf den 27. Geburtstag von Quenice Davis anstoßen, die sich selbst mit einer überragenden Vorstellung das schönste Geschenk gemacht hatte.
Kein Wunder, dass Marek Piotrowski nach kurzer Nacht bereits wieder bester Laune war. „Die Mannschaft hat keine Sekunde nachgegeben und gefightet ohne Ende. Das war eine Klasseleistung“, lobte der HTC-Coach sein komplettes Team. „Wir hatten sehr gute Wechsel, waren immer stark, wenn eine Spielerin von der Bank kam“, sah er in der Tiefe des Kaders den entscheidenden Faktor. Ausdrücklich schloss er auch Luisa Bräuer und Minja Terzic ein, die nicht zum Einsatz kamen. „Beide haben einen guten Job gemacht und das Team toll gepusht.“
Als die Lions nach sechs Minuten schon mit 18:7 führten, sah es noch so aus, als wollten sie ihre Opfer mit Haut und Haaren verspeisen. Jeden Herner Ballverlust bestraften sie sofort, meist mit von Amanda Rego inszenieren Fastbreaks, und vor allem gegen Laura Hebecker, die zehn der ersten 16 Lions-Punkte markierte, fand der HTC zunächst kein Mittel.
Aber die Gäste ließen sich nicht verrückt machen. Als Halle kurz auf Zonendeckung umstellte und vorne einige Chancen ausließ, waren sie gleich zur Stelle und verkürzten auf 17:18. Zur Viertelpause war beim 19:22 alles wieder offen.
Zu Beginn des zweiten Abschnitts konnte sich der SVH erneut leicht absetzen (31:23/14.), dann aber war Herne endgültig im Spiel. Magda Gawronska, gerade von der Bank gekommen, gab mit einem Dreier das Signal zur Aufholjagd, und als Hannah Tuomi zwei Freiwürfe eiskalt versenkte, hatte Herne wieder die Führung inne (34:35/17.). Weil dann drei Minuten lang nichts mehr durch den Lions-Ring rutschte, verpasste es der HTC, einen Vorsprung mit in die Kabine zu nehmen.
Doch ausgerechnet das aus HTC-Sicht oft „verflixte dritte Viertel“ geriet zu einer Demonstration Herner Stärke. Die Deckung hatte sich nun perfekt auf die bis dahin besten Hallenserinnen Hebecker und Fikiel eingestellt, und vorne kreierten die Gäste unter Regie der nie zu bremsenden Davis mit schnellen Passfolgen viele offene Würfe. Dreimal versuchte es Flasarova aus der Distanz, dreimal fehlten ein paar Zentimeter. Also reagierte Piotrowski, brachte Henna Salomaa, und die Finnin lief sofort heiß. Sie führte sich mit einem Dreier zur 47:46-Führung ein und ließ bis zum Viertelende neun weitere Punkte folgen.
Diesen Vorsprung ließen sich die abgebrühten Gäste nicht mehr nehmen. Zwar sammelte nun Ebony Ellis einige Punkte, aber der HTC hatte stets eine Antwort parat und hielt sich die mit zwei „unsportlichen Fouls“ ziemlich bissigen Löwinnen vom Leib. Als Davis in letzter Minute zum 65:78 traf, war auch der direkte Vergleich gewonnen. Hut ab.

Lions: L. Hebecker (18/3 Dreier), Ellis (15), Fikiel (12), Schnorr (8), Porter (6), Abelova (4), Rego (2), Gaudermann, Kohlmann, E. Hebecker, Henningsen.
Freiwurfquote: 71% (20/28). Rebounds: 36 (23 defensiv, 13 offensiv).

HTC: Davis (18, 8 Rebounds, 4 Steals), Salomaa (15/3), Flasarova (14/2), Tuomi (7, 11 Rebounds)), Van der Velde (6), Wright (6), Müller (4), Karic (3/1), Gawronska (3/1), Koop (2), Terzic, Bräuer.
Freiwurfquote: 77% (17/22). Rebounds: 40 (21 defensiv, 19 offensiv).

26.01.2014 / WAZ Herne / Wolfgang Volmer
<< zur Übersicht...